ZURÜCK ZU DEN BERICHTEN

www.wellensittich-clowns.de

Bericht: Unser Verständnis von Zucht und die damit für uns verbundenen Richtlinien

               Ein Bericht von Anja Schütt

 

"Unter Zucht versteht man die  kontrollierte Vermehrung von Pflanzen oder Tieren mit dem Ziel, die gewünschten Eigenschaften an die Nachkommen weiterzuvererben."

 

So also lautet die Definition von Zucht. Klingt zunächst sehr plausibel, jedoch gibt es im Sinne von Züchten und Vermehren Praktiken, welche von Züchter zu Züchter abweichen können. Deshalb möchten wir hier einige Erläuterungen zu unserem Verständnis von Zucht und den damit von uns angewandten Praktiken erläutern.

 

Blutsfremde Verpaarung

Wir verpaaren ausschließlich blutsfremde Paare. Weder Geschwister, noch Eltern mit Kindern, oder Verwandtschaftsgrade bis zu den "Großeltern, Cousinen, Tanten und Onkeln" werden in unserer Zucht Nachkommen zeugen. Linienzucht (die Verpaarung von Individuen, die enger miteinander verwandt sind) kommt für uns definitiv nicht in Frage. Haben Vater und Tochter eine hervorragende Scheckung mit der gewünschten Farbstufe und andere gewünschte Merkmale, verzichten wir dennoch auf eine Verpaarung. In diesem Falle ist der genetische Kodex der Nachkommen für uns nebensächlich. Zwar werden bei der Linienzucht verstärkt erwünschte Merkmale weiter vererbt, jedoch sind diese Merkmale rein äußerlicher Natur. Genetisch gesehen besitzt jedoch jedes Tier "Letalgene" bzw. "Defektgene" Diese sind verantwortlich für die Entstehungen von Krankheiten oder Störungen. Sie sind im gewissen Maße in jedem Tier vorhanden, müssen jedoch nicht die Krankheit zum Ausbruch bringen. Werden nun also Vater und Tochter verpaart und bekommen Nachzuchten, können diese Nachzuchten die perfekten äußeren Merkmale aufweisen. Haben jedoch Vater und Tochter ein Defektgen, welches zum Beispiel Leberprobleme verursacht, so sind die Nachkommen damit doppelt belastet und haben eine 100% höhere Chance, Lebererkrankungen zu erleiden. Aus diesen Gründen werden wir auf Linienzucht gänzlich verzichten und äußerliche Merkmale nur blutsfremd und wenn notwendig auch über mehrere Jahre heraus züchten. Denn wir wollen nicht nur Wellensittiche, welche optisch einwandfrei aussehen. Die Schlagwörter für unsere Tiere lauten:

Agilität, Gesundheit und Kondition

Diese Faktoren sind unserer Meinung nach nur mit einer "sauberen" Genetik zu bewerkstelligen.

 

Zuchtalter der Tiere

Aus Überzeugung und zum Wohle der Tiere werden unsere Wellensittiche erst ab einem bestimmten Mindestalter zur Zucht zugelassen. Bei den Hähnen beträgt es 10 Monate, bei Hennen 12 Monate. Ein Hahn ist erst ab 10 Monaten voll zeugungsfähig.
Er kann zwar vorher schon Samenflüssigkeit von sich geben, jedoch sind oftmals nicht genug ausgereifte Spermien enthalten.
Somit ist die Befruchtungschance der Eier gering. Wiederum sind bei einer Henne die Geschlechtsorgane erst ab dem 12. Monat voll ausgebildet und funktionsfähig. Eine Henne vor diesem Alter zur Brut zuzulassen, könnte eine Legenot, im schlimmsten Falle den Tod bedeuten. Deshalb werden wir zum Wohle der Vögel und der daraus resultierenden Brut uns an diese Mindestangaben halten, unabhängig davon, wie schön die zu verpaarenden Vögel auch sind oder "wie sehr es in den Fingern juckt".

 

Wie oft Brüten die Paare

Alle Wellensittiche, unabhängig ob Hahn oder Henne, werden maximal 2 mal innerhalb von 12 Monaten zur Zucht angesetzt. Zwischen den beiden Zuchten lassen wir eine angemessene "Ruhepause", um den Paaren die Möglichkeit zu geben, ihr Flugmuskelatur wieder aufzubauen und den "Freiheitsdrang" den ein Vogel hat, gerecht zu werden. Damit wollen wir die Gesundheit und Kondition unserer Tiere erhalten und sie nicht strapazieren oder womöglich auslaugen. Kondition, Gesundheit und Agilität der Elterntiere sowie der Nachzuchten sind uns wichtiger, als ein "auf Masse vermehrter Zucht- und Nachkommenbestand".  Und hiermit besteht für uns persönlich auch der Unterschied, Tiere und deren Nachkommen zu züchten und nicht lediglich Vermehrung zu betreiben. Denn nicht nur unsere Clowns daheim, sondern jene, die eine neue Manege mit neuen Menscheneltern betreten, sollen ein langes, gesundes Leben haben und ihren neuen Besitzern eine große Freude bereiten.
Wir sind der Meinung, dass dies der erste Grundstein dafür ist.

 

Abgabealter der Jungvögel

Unsere Jungvögel geben wir grundsätzlich nicht vor der 12. Lebenswoche ab. Ein Jungvogel verlässt mit gut 5-6 Wochen den Nistkasten. Dann beginnt die Phase in der er selbstständiges fressen, die Orientierung und erste kleine Flugversuche von Sitzstange zu Sitzstange unternimmt. Ist diese Phase gefestigt, können die Jungvögel zusammen mit gleichaltrigen Artgenossen in eine "Absetztbox" (kleinere Voliere für Heranwachsende) einziehen, wo sie den sozialen Umgang miteinander erlernen. In dieser Zeit werden manchmal Jungvögel zur Abgabe angepriesen. Dies kommt für uns jedoch nicht in Frage, denn die Jungvögel beschreiten nun einen äußerst wichtigen Lebensabschnitt. Sie kommen je nach Entwicklungsstand nach etwa 4 Wochen in den Schwarm. Zusammen bei mehreren Wellensittichen unterschiedlichen Alters lernen sie soziales Verhalten in der Rangordnung. Denn nicht ewig bleibt der Jungvogelschutz, welcher von den adulten (ausgewachsenen) Tieren ausgeht, bestehen. So lernen die Jungvögel sich in den Schwarm zu integrieren, Futter, Sitzplätze und Spielzeug zu teilen. Für uns ist ein Jungvogel nur abgabebereit, wenn er selbstständig frisst und sozial gefestigt ist. Denn auch wenn ein 6 Wochen alter Wellesittich sehr zahm ist, so nützt es unserer Ansicht nach nichts, wenn er nicht selbstständig frisst und durch nicht erlerntes Schwarmverhalten psychische Störungen und somit Verhaltensdefizite auftreten. da wir von Anfang an unsere Jungvögel sowohl zur täglichen Pflege, als auch im späteren Alter durch Spiel und Beschäftigung in die Hand nehmen, versuchen wir so eine gewisse Gewöhnung des Vogels an die Hand aufrecht zu erhalten.
 

 

 

ZURÜCK ZU DEN BERICHTEN

© Copyright Oktober  2009 Anja & Sebastian Schütt.

info@wellensittich-clowns.de