Bericht: Unser Verständnis von Zucht und die damit für uns verbundenen Richtlinien
Ein Bericht von Anja Schütt
| "Unter
Zucht versteht man die kontrollierte Vermehrung von Pflanzen oder
Tieren mit dem Ziel, die gewünschten Eigenschaften an die Nachkommen
weiterzuvererben."
So also lautet die Definition von Zucht. Klingt zunächst sehr plausibel, jedoch gibt es im Sinne von Züchten und Vermehren Praktiken, welche von Züchter zu Züchter abweichen können. Deshalb möchten wir hier einige Erläuterungen zu unserem Verständnis von Zucht und den damit von uns angewandten Praktiken erläutern.
Blutsfremde Verpaarung Wir verpaaren ausschließlich blutsfremde Paare. Weder Geschwister, noch Eltern mit Kindern, oder Verwandtschaftsgrade bis zu den "Großeltern, Cousinen, Tanten und Onkeln" werden in unserer Zucht Nachkommen zeugen. Linienzucht (die Verpaarung von Individuen, die enger miteinander verwandt sind) kommt für uns definitiv nicht in Frage. Haben Vater und Tochter eine hervorragende Scheckung mit der gewünschten Farbstufe und andere gewünschte Merkmale, verzichten wir dennoch auf eine Verpaarung. In diesem Falle ist der genetische Kodex der Nachkommen für uns nebensächlich. Zwar werden bei der Linienzucht verstärkt erwünschte Merkmale weiter vererbt, jedoch sind diese Merkmale rein äußerlicher Natur. Genetisch gesehen besitzt jedoch jedes Tier "Letalgene" bzw. "Defektgene" Diese sind verantwortlich für die Entstehungen von Krankheiten oder Störungen. Sie sind im gewissen Maße in jedem Tier vorhanden, müssen jedoch nicht die Krankheit zum Ausbruch bringen. Werden nun also Vater und Tochter verpaart und bekommen Nachzuchten, können diese Nachzuchten die perfekten äußeren Merkmale aufweisen. Haben jedoch Vater und Tochter ein Defektgen, welches zum Beispiel Leberprobleme verursacht, so sind die Nachkommen damit doppelt belastet und haben eine 100% höhere Chance, Lebererkrankungen zu erleiden. Aus diesen Gründen werden wir auf Linienzucht gänzlich verzichten und äußerliche Merkmale nur blutsfremd und wenn notwendig auch über mehrere Jahre heraus züchten. Denn wir wollen nicht nur Wellensittiche, welche optisch einwandfrei aussehen. Die Schlagwörter für unsere Tiere lauten: Agilität, Gesundheit und Kondition Diese Faktoren sind unserer Meinung nach nur mit einer "sauberen" Genetik zu bewerkstelligen.
Zuchtalter der Tiere
Aus Überzeugung und zum Wohle der Tiere werden
unsere Wellensittiche erst ab einem bestimmten Mindestalter zur Zucht
zugelassen. Bei den Hähnen beträgt es 10 Monate, bei Hennen 12 Monate. Ein
Hahn ist erst ab 10 Monaten voll zeugungsfähig.
Wie oft Brüten die Paare
Alle Wellensittiche,
unabhängig ob Hahn oder Henne, werden maximal 2 mal innerhalb von 12
Monaten zur Zucht angesetzt. Zwischen den beiden Zuchten lassen wir eine
angemessene "Ruhepause", um den Paaren die Möglichkeit zu geben, ihr
Flugmuskelatur wieder aufzubauen und den "Freiheitsdrang" den ein Vogel
hat, gerecht zu werden. Damit wollen wir die Gesundheit und Kondition
unserer Tiere erhalten und sie nicht strapazieren oder womöglich
auslaugen. Kondition, Gesundheit und Agilität der Elterntiere sowie der
Nachzuchten sind uns wichtiger, als ein "auf Masse vermehrter Zucht- und
Nachkommenbestand". Und hiermit besteht für uns persönlich auch der
Unterschied, Tiere und deren Nachkommen zu züchten und nicht lediglich
Vermehrung zu betreiben. Denn nicht nur unsere Clowns daheim, sondern jene,
die eine neue Manege mit neuen Menscheneltern betreten, sollen ein langes,
gesundes Leben haben und ihren neuen Besitzern eine große Freude bereiten.
Abgabealter der Jungvögel
Unsere Jungvögel geben wir
grundsätzlich nicht vor der 12. Lebenswoche ab. Ein Jungvogel verlässt mit
gut 5-6 Wochen den Nistkasten. Dann beginnt die Phase in der er
selbstständiges fressen, die Orientierung und erste kleine Flugversuche
von Sitzstange zu Sitzstange unternimmt. Ist diese Phase gefestigt, können
die Jungvögel zusammen mit gleichaltrigen Artgenossen in eine "Absetztbox"
(kleinere Voliere für Heranwachsende) einziehen, wo sie den sozialen
Umgang miteinander erlernen. In dieser Zeit werden
manchmal Jungvögel zur Abgabe angepriesen. Dies kommt für uns jedoch nicht
in Frage, denn die Jungvögel beschreiten nun einen äußerst wichtigen
Lebensabschnitt. Sie kommen je nach Entwicklungsstand nach etwa 4 Wochen
in den Schwarm. Zusammen bei mehreren Wellensittichen unterschiedlichen
Alters lernen sie soziales Verhalten in der Rangordnung. Denn nicht ewig
bleibt der Jungvogelschutz, welcher von den adulten (ausgewachsenen) Tieren ausgeht,
bestehen. So lernen die Jungvögel sich in den Schwarm zu integrieren,
Futter, Sitzplätze und Spielzeug zu teilen. Für uns ist ein Jungvogel nur
abgabebereit, wenn er selbstständig frisst und sozial gefestigt ist. Denn
auch wenn ein 6 Wochen alter Wellesittich sehr zahm ist, so nützt es
unserer Ansicht nach nichts, wenn er nicht selbstständig frisst und durch
nicht erlerntes Schwarmverhalten psychische Störungen und somit
Verhaltensdefizite auftreten. da wir von Anfang an unsere Jungvögel sowohl
zur täglichen Pflege, als auch im späteren Alter durch Spiel und
Beschäftigung in die Hand nehmen, versuchen wir so eine gewisse Gewöhnung
des Vogels an die Hand aufrecht zu erhalten.
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© Copyright Oktober 2009 Anja & Sebastian Schütt. |
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